Laufen mit Kindern

 

Sporterfahrungsbericht „Laufkids"

 

von Manuela Geiger

 

Lauftraining / Lauffortschritte mit Kindern ab 8/9 Jahren

 

Als ehemalige Ausbilderin des DAV (Dt. Aerobic Fitness Verband), Trainingsmanagerin und Mastertrainerin von Les Mills Germany (neuseeländischer Fitnesskonzern, der seine Gruppenfitnesskurse weltweit vermarktet; bekanntester Kurs BODYPUMPTM) fiel mir durch meinen Sohn (damals 8 Jahre) und seine Klassenkameraden auf, dass sich die Kinder zwar alle grundsätzlich sehr gerne bewegen und sportbegeistert sind, doch dass es mit der (Lauf-)Ausdauer nicht so gut bestellt war. Dies bestätigte mir auch die Sportlehrerin der Kinder. Nach ein paar Versuchen, mit meinem Sohn Laufen zu gehen, stellte ich das wieder ein, da es ihm keinen großen Spaß machte und nur zu Streit führte. Daher meine Überlegung: wenn mehrere Kinder, die sich auch noch kennen, gemeinsam laufen würden, wäre die Ausgangssituation wahrscheinlich eine andere. So entwarf ich einen Brief für die Eltern der Klassenkameraden meines Sohnes, indem ich die „Gründung eines Kids-Lauftreffs" bewarb. Ich stellte die Vorzüge des Lauftrainings allgemein dar, wie ich mir das Training vorstellte, an welchem Tag und wo der Treffpunkt sein sollte, dass es immer (bei jedem Wetter!) stattfinden würde und (!) dass es kostenlos wäre. Die Resonanz war klasse. Von den 28 Schülern meldeten sich 13 an (5 Mädchen, 8 Buben). So starteten wir im Juni 2014 und setzten uns das Ziel bis 31.12.2014 eine Strecke von 5 km Laufen zu können. Der Anfang war ziemlich hart. Ich wählte eine Strecke von knapp 2 km. Jeweils nach ca. 600 m war die Luft schon ziemlich heraus, so dass ich 2 kurze Gehpausen einbaute. Um die Kids „bei Laune" zu halten und einfach ein bisschen Spaß zu haben, erfand ich ein 4-Zeilen-Lied:

 

Wir sind die Kinder der 3a/b

Das Laufen tut uns gar nicht weh

Mit viel Freude und viel Spaß

Treffen wir uns immer montags

 

Dieses Lied sangen wir dann wie die amerikanischen Marines. Ich eine Zeile laut vor, die Kids lauthals hinterher.

Das machte den Kindern wirklich viel Spaß. Teilweise erfanden sie sogar neue Liedtexte und es durfte auch immer mal ein anderer der „Sing-Captain" sein. Durch das Singen und das miteinander Ratschen war ein aerobes Training gegeben, so dass keine Test, Pulsuhren, etc. notwendig waren. Bald schon liefen sie die Strecke ohne Pause durch. Ich muss auch wirklich hervorheben, dass die meisten jede Woche und wirklich auch bei jedem Wetter anwesend waren.

Als also die 2 km kein Problem mehr waren, verlängerte ich die Strecke auf 3,5 km. Eine Pause baute ich wieder ein; allerdings nicht mehr als Gehpause sondern als „aktive" Pause mit Kräftigungsübungen. Wir nutzten alles was die „Natur" hergab (Bänke für Liegestütz oder Dips, Baumstämme als Balancierstangen, flache Abgrenzungen als Sprunghindernisse usw. Wenn gar nichts zu finden war machten wir Bocksprünge übereinander oder Ausfallschritte o.ä. Kurz vor

Weihnachten war es dann soweit. Wir liefen die 5km–Runde mit einer Kräftigungspause nach 2,5 km. Und alle waren mächtig stolz.

Natürlich war nun die 5 km-Runde nun nicht mehr für alle „so easy" zu laufen. Das Niveau der Gruppe wurde etwas unterschiedlich. Ich wollte aber die schwächeren Läufer nicht verlieren, so vereinbarte ich mit den dazugehörigen Muttis einen Abholplatz. D.h. wir liefen alle gemeinsam los und 2 der Gruppe wurden an einem vorher abgesprochenen Ort zur vereinbarten Uhrzeit mit dem Auto abgeholt. (Allerdings muss ich dazu sagen, dass ich trotz dieser Bemühen diese beiden Kinder nach einem halben Jahr trotzdem verloren habe. Aber ein Versuch war es wert.)

Ich wählte dann noch zwei andere Laufstrecken aus, so dass wir nun 3 Varianten zur Verfügung hatten. Im Sommer baute ich an heißen Tagen das Freibad mit ein. Wenn das Wetter vorhersehbar war, mailte ich die Kids an, sie sollten Badeklamotten unter die Laufsachen anziehen und ein kleines Handtuch zum Treffpunkt mitbringen. Die Handtücher steckte ich in meinen Rucksack und los ging`s. Wir sind zum Freibad gejoggt ( ca. 2,5km), sind dort 40 Min. gewesen (mit Staffelschwimmen, Tauchen, Wasserball), dann ging`s wieder zurück. Allerdings dann ganz schön k.o. und mit vielen Gehpausen.

Was die Uhrzeit unseres Lauftrainings anging, passten wir uns der Jahreszeit an. D.h. im Sommer liefen wir um 18 Uhr, im Herbst um 17 Uhr, ab der Winterzeitumstellung um 16 Uhr, teilweise um 15.30 Uhr. Per Mail informierte ich immer rechtzeitig vorher die Mamas, so dass es problemlos klappte.

Nachdem sich die Kinder nach der 4. Klasse trennten (Hauptschule, Realschule, Mittelschule, diverse Gymnasien) wurde es etwas schwerer, die Gruppe unter einen Hut zu bringen. Jeder hatte an einem anderen Tag Nachmittagsunterricht, Wahlfach oder sonstiges, so dass die Gruppe nun auf 8 Läufer zusammengeschrumpft ist.

Aber die 8 kommen nach wie vor jede Woche.

Die Kinder (jetzt 10 Jahre im Schnitt) sind nun schon gut ans Laufen gewöhnt und haben Freude daran. Selbst wenn der Tag stressig ist und viel Hausi und Lernstoff ansteht kommen sie, um die 45- 60 Minuten (je nach Pausen) mitzulaufen. Sie laufen, ratschen und lachen dabei, bewegen sich an der frischen (oft kalten, oft sehr windigen) Luft und kommen (lt. Aussagen der Eltern) immer ganz ausgeglichen nach Hause.

Hinterher geht das Lernen dann wieder leichter.

Ich würde mich echt freuen, wenn die Gruppe noch ganz lange zusammen Laufen würde.